HAIT-Kolloquium: DIE NAZIFIZIERUNG DER HYGIENE: Politisches Handeln, Praktiken und Opfer (Prof. Dr. Paul Weindling, Oxford Brookes University
- Datum
- 21.10.2021
- Zeit
- 15:00 - 16:30
- Sprecher
- Prof. Dr. Paul Weindling (Oxford Brookes University)
- Sprache
- de
- Hauptthema
- Medizin
- Andere Themen
- Gesellschaft, Philos., Erzieh.
- Host
- Hannah-Arendt-Institut, Dresden
- Beschreibung
- Referent: Prof. Dr. Paul Weindling (Oxford Brookes University) Moderation: Prof. Dr. Thomas Lindenberger Obwohl „Rassenhygiene“ in Deutschland seit den 1890er Jahren etabliert war, führte erst die Machtübernahme Hitlers zu einer Reihe rassistischer Maßnahmen gegen Gruppen, die aus dem Volkskörper eliminiert werden sollten. Der Nationalsozialismus schaffte eine neue Dynamik und rekonfigurierte Gesundheitspolitik, um die politischen Ziele zur Ausgrenzung rassisch Unerwünschter zu befördern. Ich werde Veränderungen in der Gesundheitspolitik als wissenschaftliche Disziplin und als Werkzeug der NSDAP und der SS betrachten. Anfangs sahen Wissenschaftler den Nationalsozialismus als Chance, um Berufsautorität diktatorisch auszuüben, was jedoch von der NSDAP schnell angegriffen wurde. Staatliche Maßnahmen richteten sich gegen Juden, „gemischtrassige“ Jugendliche, Sinti und Roma sowie gegen Träger von vermeintlichen genetischen Krankheiten wie Schizophrenie und „Idiotie“, die zur Sterilisation und zur Tötung von Psychiatriepatienten führten. Die Waffen-SS verfolgte einen „geomedizinischen Ansatz“, um Seuchengefahren im Osten zu erkennen. Das SS-Ahnenerbe wiederum förderte mörderische Menschenversuche, um eine Medizin zu entwickeln, die nach Himmlers Auffassung gerade dadurch überlegen sein sollte, dass sie Menschenleben opferte. Doch deutsche Wissenschaft und Medizin konnten keine „Wunderwaffe“ zur Verfügung stellen, um den Sieg der Alliierten aufzuhalten. Hier stellt sich die Frage, warum es die Alliierten waren, die Medizin mit größerem Erfolg Medizin anwenden konnten; wie das Penicillin veranschaulicht. Abschließend warne ich vor vereinfachenden Kontinuitäten und vor einer rein deskriptiven Betrachtung nazifizierter Hygiene und öffentlicher Gesundheit, droht doch das Leid der Opfer allzu schnell übersehen zu werden.
- Links
Letztmalig verändert: 18.10.2021, 15:14:08
Veranstaltungsort
Andere (digital via ZOOM)
Veranstalter
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU DresdenHelmholtzstr.601069Dresden
- Homepage
- http://www.hait.tu-dresden.de
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